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Astlöcher

Was ist eigentlich Journalismus?

Journalismus ist, würde Heinrich Spoerl schreiben (der mit der Feuerzangenbowle): Journalismus is, da stelle mer uns mal janz dumm, ein weißes Blatt, das vollgeschrieben werden muss.

Jetzt ist Journalismus allerdings auch Handwerk, und genau wie bei anderen Handwerken gibt’s auch im Journalismus
das Stück Holz voller Astlöcher oder die festgerostete Schraube, die sich jeder Bearbeitung widersetzt. Störrisch, unversöhnlich, widerspenstig bis zum Schluss.

Mein Stück Holz voller Astlöcher einst eben dieser Text, den Sie gerade lesen und der sich um eine Oblaten-
Posse zwischen Deutschland und Tschechien ranken sollte. Es geht um politischen und wirtschaftlichen Streit, der
sich am Markennamen „Karlsbader Oblaten“ entzündete. Der Streit wurde von der EU salomonisch geschlichtet und gab tatsächlich eine schöne Steilvorlage.

Doch eine Idee jagte die nächste, nichts passte zusammen, und irgendwann hatte ich schon 146 wirre Zeilen zusammen, obwohl in die Glosse in der Zeitung nur 52 reinpassen.

Und jetzt? Bin ich um eine Erkenntnis reicher, und zwar, dass nicht jeder Glossenstoff jedem Autor zum Erfolg gereicht,
auch, wenn das Thema eigentlich gut ist.

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sind aber auch schlauer geworden. Glauben Sie nicht? Doch, doch: Eine Zeitung kann noch voller Astlöcher sein, obwohl sie bloß aus Papier besteht.

Erschienen 2010 in der Westfälischen Rundschau. Sprachlich leicht überarbeitet.

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