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Azubi auf den letzten Drücker - Tim Müßle - Freier Journalist

Azubi auf den letzten Drücker

Eine Fünf auf dem Abschlusszeugnis, ein unvorteilhaftes Foto oder ein abgebrochenes Studium: Mit solchen Flecken auf der weißen Weste kann die Suche nach einem Ausbildungsplatz ganz schön holperig werden. Gleichzeitig gibt es Unternehmen, die Schwierigkeiten haben, Azubis zu finden. Das Starthelfer-Projekt der Industrie- und Handelskammern sorgt auf beiden Seiten mit einem überraschend einfachen Erfolgsrezept für Abhilfe

Der komplette Text ist erschienen in der Zeitschrift “Wirtschaft im Revier” der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet, Ausgabe 11.2018, ab Seite 22. Hier klicken, um zur Zeitschrift zu gelangen.

 

Lootchest - mira bozhko - unsplash

Warum kaufen so viele Leute bei Nils Bartels buchstäblich die Katze im Sack?

Die Kunden des Gocher Unternehmers Nils Bartels kaufen die sprichwörtliche Katze im Sack: sogenannte Lootchests, Kartons mit bedruckten Tassen, Kissen, T-Shirts, Spielzeugen oder Sammelartikeln aus der Popkultur. Was genau drin ist, wissen die Kunden erst, wenn sie die Kartons auspacken. Veröffentlicht in der Ausgabe 02/2018 des Magazins Niederrhein Wirtschaft

Sie führen Ihr Unternehmen gemeinsam mit Sven Klockmann und Ihrem Bruder Jörn seit 2014. Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell?

Wir suchen Tag für Tag die besten Fan-Produkte rund um aktuelle Games, Filme und TV-Serien und verpacken sie in Überraschungsboxen. Diese verkaufen wir einzeln oder im Abo. Darin können Sammelfiguren sein, aber auch Kopfhörer, oder Ansteck-Buttons eine Pacman-Tasse oder ein „Star-Wars“-T-Shirt. Auch mal Kaugummi.

„Star-Wars“-Kaugummi?

Nein, wir hatten in der Lootchest im September 2017 sogenanntes „Beast Butt Cotton Bubble Gum“ in zwei verschiedenen Geschmacksrichtungen. Lootchest heißt bei uns die Überraschungsbox, in der wir die Waren ausliefern. Loot heißt so viel wie Beute, und Chest steht für Schatztruhe. Die Boxen gibt’s ab 19,95 Euro pro Monat, und der Marktwert beträgt mindestens 40 Euro.

“Angefangen hat alles mit einem Commodore C64 und einem Atari.” – Nils Bartels

Wie können Sie Waren im Wert von 40 Euro für rund 20 Euro anbieten und dabei Gewinn erwirtschaften?

Das geht nur durch die Menge und durch die Anzahl der Kunden. Wir haben auch viele Sonderproduktionen im Programm, die es nur bei uns gibt, etwa eine „Dr. Who“- Müslischale. Natürlich sind die Sachen, die wir machen, Luxus. Aber wir liefern auch immer nützliche Produkte, etwa ein T-Shirt, eine Decke oder einen Pfannenwender.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Ich bin seit meiner Kindheit in diesen Themen unterwegs, angefangen hat alles mit einem Commodore C64 und einem Atari. Mein Bruder Jörn ist drei Jahre älter als ich, der hat die ganzen Sachen gehabt und ich durfte alles mitnutzen.

Praktisch!

Ja, wir sind fleißige Kinogänger und Videospieler – und dann habe ich diese Geschäftsidee aus Amerika mitgenommen. Mein Bruder und ich hatten aus einem Handel mit Edelstahlteilen bereits Erfahrung mit Onlineshops.

Zur Person

Nils Bartels ist 33 Jahre alt und wurde in Kleve geboren. Der gelernte Kaufmann im E-Commerce hat schon früh Erfahrungen im Onlinehandel gesammelt – mit dem Shop www.edelstahlonline24.de, in dem es unter anderem Treppengeländer aus Edelstahl zu kaufen gibt.

Sie sind nicht nur Nerd und Gamer, sondern auch Geschäftsführer – da trifft die bunte Welt der Popkultur auf die trockenen Zahlen des Betriebswirts. Wie passt das zusammen?

Wenn man mit Produkten arbeitet, die einem ans Herz gehen, ist es leicht. Auch der Erfolg und das Feedback der Kunden sind ein großer Motivator. Wir haben schon ab dem zweiten Monat unserer Geschäftstätigkeit Geld verdient und haben keine Verbindlichkeiten bei Banken.

Ihre Boxen und Produkte kann man auch in Ihrer Filiale kaufen, die Sie Anfang Oktober 2016 in Kleve eröffnet haben. Warum Kleve?

Kleve ist Kreisstadt und eine beliebte Einkaufsstadt der Region, auch für die Menschen jenseits der Grenze. Ich bin auch in Kleve geboren.

Wird es nicht schwer für den stationären Handel?

Spezialisierte Einzelhändler wird es immer geben. Unsere Kunden sehen in unseren Läden extrem viel Potenzial, sich inspirieren zu lassen, so was gibt es online nicht.

Stichwort Marketing: Was sind die wichtigsten Kanäle?

Am effektivsten für uns ist Influencer-Marketing: Leute in sozialen Medien wie Youtube oder Instagram packen unsere Lootchests aus.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsprodukt?

Ich bin ein Fan von nützlichen Sachen, neulich ist mir ein Tetris-Multitool untergekommen, das war sehr schön. Wie ein Schweizer Taschenmesser, aber in Form eines Tetris-Würfels.

Lootchest

success-story-moebelhaus-pierre-chatel-innocenti-unsplash

Wie kann sich ein altehrwürdiges Möbelhaus selbst neu erfinden?

Erschienen in der “Niederrhein Wirtschaft” der Niederrheinischen IHK im November 2016

„Mein Vater hat mir alles beigebracht“, sagt Gerd Kleinmanns, Inhaber und Geschäftsführer der Möbel Kleinmanns GmbH in Kleve-Kellen in dritter Generation. Großvater Gerhard Kleinmanns gründete das Unternehmen 1926, heute hat es 18 Mitarbeiter, verkauft Möbel und Küchen. „Ich bin 1986 nach einer Schreinerlehre eingestiegen. Doch 2009 kam die Wirtschaftskrise.“

Das Jahr gilt als einer der Höhepunkt der sogenannten Weltwirtschaftskrise ab 2007, die durch das Platzen einer Immobilien-Blase ausgelöst wurde und die mit einer Finanz- und Bankenkrise einherging. Viele Banken und Unternehmen weltweit kämpfen mit einbrechenden Krediten und Aufträgen, auch in Deutschland.

Wirtschaftskrise trifft Mittelständler

„Das große Kunden-Potenzial  in Holland“, erinnert sich Gerd Kleinmanns, „war einfach weg.“ Sein Rezept hieß damals noch: Ärmel hochkrempeln und durch, es kommen schon wieder bessere Zeiten. Doch das einzige, was kam, war noch mehr Arbeit –ohne mehr Gewinn, um neue Mitarbeiter einzustellen.

„Wir traten auf wie jedes andere Möbelhaus, wir waren nicht individuell“, sagt Geschäftsführer Gerd Kleinmanns. „Aber ich hatte immer schon die Idee, uns komplett neu zu erfinden.“ Der Schlüssel zur Wiedergeburt sei die Verwurzelung in der Region gewesen. Kleinmanns: „Dann hatte ich das Glück, Dorothea Heeks kennen zu lernen.“

„Du kaufst kein Möbelstück“

Dorothea Heeks verfügt über langjährige professionelle Marketingerfahrung. Sie erkannte schnell das Potenzial, das in Möbel Kleinmanns schlummerte: „Wir haben mit lokalem Marketing das Unternehmen neu erfunden.“ Einer der aktuellen Slogans: „Du kaufst kein Möbelstück, du kaufst ein Stück Niederrhein.“

Zu der Idee des lokalen Phönix aus der Asche kommen handfeste Verbesserungen, wie optimierte Abläufe, die für mehr Umsatz sorgen – und nicht für mehr Arbeit. Einer der wichtigsten Punkte war die Renovierung des Stammhauses in Kleve-Kellen. Kleinmanns: „Wir hatten ein Ladenlokal mit ein paar Schaufenstern, und dahinter die Schreinerei. Der hintere Bereich ist zwar regelmäßig erweitert worden, doch dass der Bereich heute rund 2500 Quadratmeter groß ist, sah man früher der Ladenfront nicht an.“

Als Unternehmer die eigenen Leute wachsen lassen

Kleinmanns Lösung: Alle Gebäude von außen in derselben Farbe streichen. Gleichzeitig galt es, das Team bei den Kursänderungen mitzunehmen. Nicht mehr „nur ein weiteres Möbelhaus“, sondern „ein Stück Niederrhein“. Team-Trainings im Hochseilgarten sorgten für frischen Wind. „Wir haben mehr mit den Menschen gesprochen“, so Kleinmanns, „und mehr Mitspracherecht eingeräumt.“

Und: „Früher dachte ich, ich könne selbst alles am besten. Doch als Unternehmer braucht man heute die Weitsicht, von seinen Leuten mehr abzuverlangen, ihnen mehr Verantwortung zu geben und sie daran wachsen zu lassen.“ Gleichzeitig gelte es, „klare Kante“ zu zeigen.

„Wir haben auch unsere Kunden gefragt, wie wir heißen sollen“, sagt Kleinmanns, „und unsere Kunden bei der Auswahl des Slogans mit entscheiden lassen.“ Der Slogan: „Kochen und Wohnen, wie es mir gefällt.“  Eine Werbekampagne mit 21 Videos auf Youtube inszeniert den lokalen Player. Ein Spot zeigt etwa eine komplett aufgebaute Küche – auf einem Acker. Auf Youtube kommen auch die Mitarbeiter zu Wort: „Hallo, ich bin Sabine Pauls und ich arbeite seit 15 Jahren bei Möbel Kleinmanns in der Planung. Ich arbeite hier, weil ich hier Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren kann.“

Ende gut, alles gut? Sogar an eine mögliche Nachfolge hat Gerd Kleinmanns schon gedacht – allerdings wird es noch etwas dauern, bis Kleinmanns Tochter das Ruder übernimmt: „Sie ist ja erst neun.“

 

 

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