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fischerboot - fang seines lebens - nick karvounis - unsplash

Warum war der „Fang seines Lebens“ kein Fisch?

Französischer Thunfischdampfer rettet italienisches Kreuzfahrtschiff und darf auf millionenschwere Entschädigung hoffen – Erschienen in der Westfälischen Rundschau am 2. März 2012

Victoria/Seychellen. Eigentlich ist ja die Jagd auf Thunfisch schon ein recht einträgliches Geschäft, doch so einen dicken Brocken hatte Kapitän Alain Derveute noch nicht am Haken: Er und seine Crew schleppten das havarierte Kreuzfahrtschiff Costa Allegra mit ihrem Thunfischdampfer „Trevignon“ in den Hafen der Stadt Victoria auf den Seychellen. Kurz bevor sie gestern dort ankamen, hatte Derveute noch zwei Schleppboote verscheucht, die die Allegra das letzte Stückchen in den Hafen bugsieren sollten. Darauf reagierte der Verkehrsminister der Seychellen, Joel Morgan, zwar etwas ungehalten. Doch Derveutes Beharrlichkeit dürfte sich für ihn und seine Mannschaft auszahlen.

„Die Summen sind da schon gigantisch“

Schließlich gibt es eine alte Regel unter Seeleuten, laut der der Abschlepper die Hälfte vom Wert des havarierten Schiffes als Bergerlohn in Rechnung stellen darf. Und die Costa Allegra ist mehrere Hundert Millionen Euro schwer. „Mir ist noch nie etwas ähnliches passiert“, sagte Derveute dem italienischen TV-Kanal „TGCOM 24“. „Die Wetterbedingungen waren zwar gut, aber die Navigation war ermüdend. Zwei von uns wechselten sich am Steuer ab, denn wir hatten aus Sicherheitsgründen den Autopiloten abgeschaltet.“ Die Trevignon gehört dem französischen Fischereiunternehmen Compagnie Francaise du Thon Oceanique. Experten halten es für unwahrscheinlich, dass das Unternehmen keine Absprache getroffen hat mit der italienischen Reederei der Allegra, Costa-Kreuzfahrten. Gestern war zwar von beiden Firmen nichts über ein Abschlepp-Abkommen zu hören, doch die Kosten dürften enorm hoch sein.

„Die Summen sind da schon gigantisch und können unter Umständen auch über die Hälfte des Wertes von Schiff und Ladung hinausgehen“, sagt ein Branchenkenner. Und: Selbst wenn ein Abkommen besteht, muss dort nicht unbedingt eine Summe genannt sein. Wahrscheinlich sei, dass in den kommenden Tagen ein unparteiischer Experte den Wert der Rettungsmission bemisst und dieser dann zur Grundlage für die Verhandlungen zwischen Costa-Kreuzfahrten und den französischen Fischern wird. Trotzdem: „Der Fischer macht den Fang seines Lebens.“

Tage und Nächte an Deck

Während das Unglück für Costa einen weiteren Schlag ins Kontor bedeutet, hat die Geschichte für die über 600 Passagiere und über 400 Besatzungsmitglieder ein glückliches Ende genommen. Ein Brand im Maschinenraum der Costa Allegra hatte am Montag das Schiff manövrierunfähig gemacht, gleichzeitig fielen Stromversorgung und Klimaanlagen aus.

Wer keine Kabine mit Balkon hatte, musste die Tage und Nächte an Deck verbringen, da in den fensterlosen Kabinen ja weder Strom für Licht noch Belüftung vorhanden war. Auch die Toilettenanlagen waren ausgefallen. Trotzdem gab es genug Wasser und kalte Verpflegung für alle, wie ein Passagier berichtete. Die Angst vor Piratenangriffen hatte zunächst für Unruhe gesorgt, bis Schiffe der Küstenwache der Allegra Geleitschutz gaben. Unter „Hurra“-Rufen einiger Passagiere lief die Allegra gestern Morgen in den Hafen ein. Sechs Passagiere hatten Knochenbrüche erlitten. Einer der Reisenden sagte, er fühle sich müde und dreckig und habe Angst vor Piraten gehabt. „Die Crew war großartig. Sie hat versucht, das Bestmögliche zu tun, um es uns so angenehm wie möglich zu machen“, lobte ein deutscher Passagier die Besatzung. Die Reisenden wurden mit Bussen in Hotels gebracht, Costa hatte ihnen angeboten, ihren Urlaub auf den Seychellen auf Kosten des Unternehmens fortzusetzen.

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