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Allah im Gymnasium - hasan almasi unsplash

Start einer Arbeitsgruppe “Islamischer Religionsunterricht” am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Lünen – Veröffentlicht am 23.06.2012 in der Westfälischen Rundschau / Lünen

Lünen. Glauben ist etwas anderes als Wissen. Das ist nicht nur ein erprobter Spruch von Mathelehrern, das ist auch die bittere Wahrheit, die viele muslimische Kinder und auch Erwachsene erleben müssen. „Du bist eine moderne junge Frau, du trägst kein Kopftuch, warum fastest du also?“ Eine Frage, auf die eine junge Mutter keine Antwort wusste. Sie glaubt, also stellte sich ihr die Frage nicht. Doch es bedrückte sie, die Frage nicht selbst beantworten zu können. Die einzige religiöse Kompetenz in ihrem Leben war die Großmutter. In Lünen wird sich das bald ändern, ab August startet ein landesweit nahezu einzigartiges Projekt: eine Arbeitsgruppe für islamischen Religionsunterricht am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium.

Die junge Mutter erzählte am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung für Eltern im Stein-Gymnasium von den Fragen nach Kopftuch, nach dem Fasten, nach dem Gebet. Fragen, die sie für sich selbst nur mit „das haben wir schon immer so gemacht“ beantworten konnte. Und der Unterricht in der Moschee ist für viele nicht ausreichend. Das wurde bei dem Elternabend im Stein-Gymnasium sehr deutlich. Die Lehrer hatten eingeladen, um ihr Konzept von einer Arbeitsgruppe rund um islamische Theologie zu erläutern.

NRW will islamischen Religionsunterricht

2011 änderte der NRW-Landtag mit den Stimmen von SPD und Grüne sowie Teilen der CDU das Landesschulgesetz – bekenntnisorientierter Religionsunterricht für muslimische Kinder auf Deutsch wird eingeführt. Zurzeit fehlt es noch an geeigneten Lehrern.

Ab August geht es los, zwei Stunden pro Woche, ohne Benotung, nicht versetzungsrelevant, freiwillig. Der Andrang ist stark. Gut 35 Eltern nutzten die Gelegenheit, engagiert mit Lehrer Detlef Suckrau, mit dem Leiter der Arbeitsgruppe (und Referendar am Stein) Muammer Üce und mit Professor Mouhanad Khorchide vom Zentrum für islamische Theologie an der Uni Münster zu diskutieren. Alle Eltern applaudierten dem Projekt. „Der Unterricht in der Moschee reicht nicht aus“, sagt zum Beispiel Muhterem Erinola, ein interessierter Vater. „Da bleibt die Lehre auf halber Strecke liegen.“ „Die Jugendlichen identifizieren sich stark mit ihrer Religion“, sagt Khorchide, wissen aber wenig darüber.“ Der Unterricht in der Arbeitsgruppe (AG) fungiert „gerade auch als Gegengewicht zur Moschee“, sagte Detlef Suckrau.

Referendar Üce über die Inhalte seiner AG: „Auf das Auswendiglernen des Korans kommt es nicht an. Sondern auf Reflexion.“ Er will nicht nur religiöse Inhalte, sondern auch die Geschichte vermitteln. Ein Gegengewicht bilden zu vielen zweifelhaften religiösen Internetseiten, zu den Menschenfängern der Salafisten oder anderen Extremisten. Allah ist eben keine Sache für Hinterzimmer, Allah gehört auch ins Gymnasium.

21 Schüler haben schon zugesagt, Üces Vertrag mit der Schule läuft Ende April aus. Wie es weiter geht? „Das hängt von der Nachfrage ab“, so Suckrau.

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