0173 - 206 99 49 - info(@)timmuessle.de
Diese Seite nutzt Cookies. Deaktivieren
Konzertkarte - sergio ruiz - unsplash

Wie viel vom Preis einer Konzertkarte landet bei der Band?

Es gibt ja Geheimnisse, von denen weiß man gar nicht, dass es sie überhaupt existieren. Dass die Nachrichtendienste dieser Welt einiges zu verbergen haben, ist klar. Aber Konzertveranstalter? Ticketverkäufer? Wer so alles an einer Konzertkarte verdient, ist Verschlusssache. Coolibri-Mitarbeiter Tim Müßle hat sich trotzdem erlaubt, Fragen zu stellen. Veröffentlicht im Oktober 2012 im Stadtmagazin Coolibri

„Darüber geben wir keine Auskunft“, antwortet zum Beispiel Volker May, Geschäftsführer des Dortmunder Clubs Freizeitzentrum West (FZW). Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. Dabei geht’s gerade mal um eine Konzertkarte. Die Popmusiker von Stereolove zum Beispiel sind im November im FZW schon für 22,70 Euro zu sehen. Wie viel bekommt die Band, was der Veranstalter? Und: Was bleibt für die Putzfrau übrig?

Konzertkarte: „Das FZW kann nicht mitreden“

„In erster Linie verdienen die Veranstalter“, sagt May. Es gibt zwei – einer veranstaltet die ganze Tour, der andere das lokale Konzert. „Das kommt auf das Geschäftsmodell an“, legt Volker May nach. Er schildert das Grundmodell, nachdem die Band vom Tourveranstalter bezahlt wird, und diese Firma teilt sich die Einnahmen mit dem lokalen Veranstalter, der wiederum die Halle bezahlt – etwa das FZW. „Das FZW kann nicht mitreden beim Ticketpreis. Wir kassieren Miete. Dieses Modell ist immer das gleich, nur der Kuchen wird anders verteilt.“

Und genau um diese Verteilung geht es. Doch die ist schwer zu erfahren. Das liegt zum einen daran, dass es tatsächlich Tausende verschiedener Geschäftsmodelle gibt. Nicht jede Band erhält den gleichen Prozentsatz vom Kuchen, und die Technik der Rolling Stones ist aufwändiger und damit teurer als die von jungen Bands wie Egotronic. Aber es liegt auch an einer ganzen Branche, die sich höchst ungern in die Karten gucken lässt. Wie sich schön am Beispiel der CTS Eventim AG zeigt. Die Firma dürfte jedem ein Begriff sein, der in den vergangenen 20 Jahren eine Konzertkarte in Deutschland gekauft hat. Über das Eventim-System werden nach eigener Auskunft jährlich und europaweit über 100 Millionen Karten verkauft. Seit Jahren steigert das Unternehmen seinen Gewinn; 2011 lag ein Gewinn von über 94 Millionen Euro vor, vor Steuern und Abschreibungen (Fachchinesisch: „Ebitda“). Im Jahr 2007 lag die Summe noch bei knappen 54 Millionen Euro. Und was sagt CTS auf die Frage, wie sich der Preis einer Konzertkarte zusammensetzt? Nix: „CTS möchte dazu keine Zahlen liefern“, heißt es dazu lapidar von Unternehmenssprecher Alexander Baer. Stattdessen empfiehlt er, zu googlen.

„Wir haben keine Hinweise“

Es ist ja schon klar, dass ein Kaufmann ungern über Gewinn, Verlust und Margen spricht. Aber selbst bei der Frage nach einem fiktiven Beispiel oder einer wenigstens ungenauen Auskunft, wie sich so ein Konzertticket zusammensetzen könnte, machen viele kleine und große Unternehmen der Branche zu. „Wir können dir in deinem Anliegen nicht weiterhelfen. Tipps und / oder Hinweise haben wir auch nicht“, verschickt Continental Concerts aus Dortmund eine nicht unterzeichnete Mail. Größere Veranstalter wie Karsten Jahnke oder Marek Lieberberg melden sich weder telefonisch noch elektronisch auf Anfrage von Coolibri zurück. Wie genau der Kuchen verteilt wird, bleibt Betriebsgeheimnis.

Gibt es was zu verbergen? Jedenfalls ist viel Geld im Spiel: Die „Branche erzielt Rekordumsatz“, meldet der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft. Im Jahr 2011 belief sich demnach der Umsatz der Branche auf 3,9 Milliarden Euro – ein Wachstum von 24 Prozent gegenüber den Zahlen aus dem Jahr 2010. Zum Vergleich: Die Tonträgerindustrie (CDs, Downloads, Vinyl) kam im Jahr 2011 auf einen Gesamtumsatz von 1,48 Milliarden Euro –weniger als die Hälfte. Im Jahr 2011 erwarben 24,3 Millionen Käufer 74,3 Millionen Konzertkarten zu einem durchschnittlichen Preis von 37,17 Euro. „Die Umsatzexplosion betrifft nur die großen Hallen, die Stadion- und Arena-Konzerte“, sagte der Konzertveranstalter Berthold Seliger während eines Vortrages in Zürich. „Es gibt eine Stagnation bei den kleinen Konzerten.“

Von diesem Kuchen wird vor allem eine Industrie reich. „Ende der 80er-Jahre lagen die Gagen für neue Bands, die gute PR hatten und einen gewissen Zuschauerzuspruch erwarten ließen, bei 1500 DM. Heute ist es beileibe nicht selbstverständlich, für eine ähnliche Band 750 Euro aushandeln zu können“, sagt Seliger.„Bei den CDs kann man’s genau runterrechnen, weil das eben ein Produkt mit fixen Kosten ist. Ein Konzert ist das nicht – erstens ist jedes Konzert anders, es kommt auf 1000 Dinge an, die eben immer unterschiedlich sind, Technik, Catering, undsoweiter.“ Auch die Zahl der Zuschauer sei schließlich variabel. Seliger wettert gegen die Ticketverkäufer wie CTS Eventim: „Diese erhalten in der Regel einen höheren Anteil aus dem Verkauf eines jeden Tickets, als der Konzert- und der Tourneeveranstalter nach Abzug aller Produktionskosten.“ Bei den Clubkonzerten sei der Anteil der Ticketverkäufer sogar noch höher als der der Künstler.

Technik, Catering, Hotel, Strom, Reinigung…

Ein mittelgroßer Tourveranstalter, der namentlich nicht genannt werden will, skizziert die Zusammensetzung einer Konzertkarte schließlich noch genauer: „Vereinfacht gesagt, teilen sich Tourveranstalter und örtlicher Veranstalter die Netto-Einnahmen eines Konzerts in Clubs von 800 bis 1500 Plätzen ungefähr fifty-fifty. Mal ist das Verhältnis geringfügig anders, mal kommt es auch auf die Kosten an. Der örtliche Veranstalter bestreitet von seiner Hälfte unter anderem die Hallenkosten mit Miete, Strom und Reinigung usw., die Technik, das Catering, das Hotel, die GEMA und örtliche Werbung.“ Der Tourveranstalter wiederum bezahle von seiner Hälfte unter anderem die Gage, die bundesweite Werbung, die Transportkosten und das Tourpersonal.

Andere rechnen anders. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung berechnet der Konzertveranstalter Scumeck Sabottka (MCT) ein Beispiel mit einer Band, die vor Jahren rund 250.000 Alben in Deutschland verkauft hat: „Ich mache mit der Band ein Konzert in Berlin, da kommen 10.000 Leute, ich nehme 48 Euro pro Karte und zahle der Band 250.000 Euro.“ Von solchen Summen können die meisten Künstler in Deutschland allerdings nur träumen. Der durchschnittliche Verdienst eines Musikers liegt laut GEMA nämlich aktuell bei rund 12.000 Euro. Pro Jahr.

Photo by Sergio Ruiz on Unsplash

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

0173 - 206 99 49 - info(@)timmuessle.de
Diese Seite nutzt Cookies. Deaktivieren